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SCHIMMELPILZE
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Scopulariopsis brevicaulis

Scopulariopsis brevicaulis: Dieser Schimmelpilz wird Arsenpilz genannt; er ist ein zur Gattung Microascus gehörender Schimmelpilz (Teleomorph: Microascus brevicaulis). Die anamorphe Form ist Scopulariopsis brevicaulis. Durch diesen Schimmelpilz sind im 19.Jahrhundert wiederholt Bewohner in ihren Wohnungen zu Tode gekommen.

       

Der Schimmelpilz kann nämlich in Anwesenheit von Kohlehydraten arsenhaltige Wandfarben, wie Schweinfurter Grün (Kupfer(II)-arsenitacetat; Cu(CH3COO)2 3 Cu(AsO2)2), unter Bildung von gasförmigem, giftigem Trimethylarsin ((CH3)3As ) abbauen.

             

"Schweinfurter Grün" (benannt nach Schweinfurt mit der dortigen Grünfarbenproduktion) wurde im 19. Jahrhundert verstärkt auf Tapeten aufgebracht. Das daraus gebildete Trimethylarsin ist eine knoblauchartig riechende, leicht flüchtige, organische Arsenverbindung, die über die Atemluft zu Vergiftungen führen kann. Über die Lunge aufgenommen wirkt diese gasförmige Verbindung bereits bei Konzentrationen unterhalb der Geruchsschwelle giftig. Die Giftwirkung führt auch zu einem akuten Nierenversagen, welches meist tödlich ist.

Trimethylarsin entsteht in Bakterien und Pilzen durch Reduktion der Arsen-Verbindungen mit nachfolgender Methylierung. Der Stoffwechsel von Säugetieren setzt Arsen dagegen zu Dimethylarsin-Verbindungen wie der Dimethylarsinsäure (auch Kakodylsäure) um, die über den Urin ausgeschieden werden können. Die von Arsenverbindungen ausgehenden lebensbedrohlichen Gefahren beruhen auf der Reaktion mit schwefelhaltigen Proteinen, der damit verbundenen Hemmung des Citrat-Zyklus und der Unterbrechung der Substratkettenphosphorylierung innerhalb der Glykolyse.

Den Nachweis der giftigen Wirkung von mit Schweinfurter Grün bedruckten Tapeten veröffentlichte erstmals der Merseburger Arzt Carl von Basedow im Jahre 1844. Leopold Gmelin und viele andere Chemiker setzten sich daraufhin für ein Verbot der arsenhaltigen Farben ein. Der Chemiker Frederick Challenger identifizierte das giftige Schimmelpilz-Gas erst im Jahre 1932 als Trimethylarsin. Eine Rolle des Arsen-Pilzes beim plötzlichen Kindstod wird ebenfalls diskutiert. Prominentestes „Opfer“ soll Napoleon gewesen sein. Seine Exil-Räume auf St. Helena waren grün gestrichen. Man fand bei der Obduktion mit chemischer Analyse seines Leichnams große Mengen an Arsen (As) und zwar vor allem in seinen Haaren und Fingernägeln. Der Tod trat aber anscheinend nicht durch eine Schwermetallvergiftung ein.
Wie viele andere Schimmelpilze auch, ist Scopulariopsis spp. in der Erde und auf verrottenden organischen Material zu finden.

Die Sporen können über die Luft verbreitet werden. Die meisten Arten der Gattung gelten als wenig pathogen, für S. brevicaulis sind jedoch Infektionen der Nägel und Hautinfektionen bei immunsupprimierten Menschen beschrieben. Wenn Sporen ins Innere des Auges gelangen, kann Scopulariopsis dort schwere Infektionen erzeugen. Der Schimmelpilz kann auch Allergien (Hypersensitivitätsreaktionen Typ III) hervorrufen.