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SCHIMMELPILZE
AM DACHSTUHL


Holzwurmbefall in Kirchen und Orgeln?

Hier kann Ihnen geholfen werden

MYKOTHEK

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Schimmelpilzbefall unter dem Estrich


1. Wie entsteht der Schimmel unter dem Estrich?

Häufig führen Wasserschäden, z.B. Rohrbrüche, Leitungswasserleckagen, undichte Waschmaschinen, Geschirrspüler etc. (Havarieschäden), Eintritt von Regenwasser über Kellerfenster oder Löschwasser und Überschwemmungen, zu hoher Feuchtigkeit unter dem Fußboden, insbesondere unter schwimmend verlegte Estriche. Kondenswasserbildung durch Wärmebrücken an estrich2Außenwänden im Bereich des Deckenauflagers oder in Erdgeschoß-Wohnungen über einem unbeheizten Keller oder Tiefgarage/Lagerraum können weitere Ursachen sein. Es bildet sich ein Nährboden für Schimmelpilzwachstum. Feuchtigkeit ist die Grundvoraussetzung für jedes Schimmelpilzwachstum. Auch aus unbekannten, unentdeckten oder nicht sachgerecht sanierten Wasserschäden resultieren Schimmelpilzprobleme. Diese Schimmelpilzbelastungen in der Dämmebene von Fußböden werden oft unterschätzt. Eine Schimmelpilzbelastung kann nach Feuchteeinwirkung innerhalb weniger Tage vorliegen, da Schimmelpilze sehr schnell wachsen können. Bei schwimmend verlegten Estrichen stehen die durch Feuchtigkeit verschimmelten Hohlräume des Unterbodens oder die pilzbewachsene Wärmedämmung durch die Randfugen mit der Raumluft in Verbindung. Vor allem beim Betreten des Fußbodens/Estrichs entsteht durch die Be- und Entlastung ein Pumpeffekt, der Schimmelpilzsporen in relevanten Mengen in die Raumluft fördert. Damit entsteht ein gesundheitliches Gefährdungspotential für die Raumnutzer.

2. Welche Sofortmaßnahmen sind sinnvoll?
Zunächst ist wichtig, das ins Gebäude eingedrungene und noch nicht in der Unterkonstruktion versickerte Wasser abzupumpen. Dann muß das versickerte Wasser aus der Konstruktion so schnell wie möglich entfernt werden. Es stehen verschiedene Trocknungsmethoden zur Verfügung. Bei der Kondensat- oder Adsorptionstrocknung findet nur eine Raumluftentfeuchtung statt. Hierbei wird die Raumluftfeuchte reduziert und die natürliche Verdunstungstrocknung beschleunigt. Das Trocknen des Fußbodenaufbaus dauert hier estrich3jedoch viel zu lange. Eingedrungenes Wasser unter der Estrich-Wärmedämmung kann dabei nahezu nicht verdunsten. Es ist regelrecht unter der Wärmedämmung gefangen.

Besser ist die Belüftung der Fußbodenhohlräume mit trockener Luft im Überdruck- oder Unterdruckverfahren oder mittels Infrarot- oder Mikrowellentechnik. Beim Überdruckverfahren wird mittels schallgedämmter Hochleistungsverdichter warme Luft in extra angelegte Bohrungen im Estrich in die Hohlräume gepumpt und aus den Randfugen feuchteangereichert herausgepresst. Über Kondenstrockner wird dann die Raumluft zusätzlich entfeuchtet. Liegen Schimmelpilzherde in der Dämmschicht vor, werden sie oder ihre Sporen durch die komprimierte Luft in die Atemluft gepustet. Sekundärkontaminationen und gesundheitliche können die Folgen sein.
Vermutet man Schimmelpilzbefall in der Dämmschicht oder wurde er dort diagnostiziert, muß das Unterdruckverfahren angewendet werden. Auch wenn das Überdruckverfahren 20-30% effektiver ist als das Unterdruckverfahren.
Beim Unterdruckverfahren wird die angefeuchtete Bodenluft über Vakuumpumpen (=Turbinen) über Estrichbohrungen herausgezogen und in einem reversibel arbeitendem Adsorptionstrockner mit vorgeschaltetem HEPA-Filter (=Mikrofilter zum Ausfiltern von Schimmelpilzsporen) entfeuchtet.  Trockene Luft wird über die Randfugen wieder in die Dämmschicht-Hohlräume gesaugt. So findet eine kontinuierliche Trocknung statt, ohne dass Schimmelpilzsporen in die Raumluft gelangen. Steht Wasser unter der Dämmschicht, müssen Wasserabscheider vor der Turbine vorgeschaltet werden. Lehm, Schlacke, Perlite, Sand, Kalksplitt im Fußbodenaufbau benötigen für eine technische Trocknung mehrere Monate. Bei Fliesenbelägen werden zur Vermeidung von Beschädigungen zum Anlegen von Estrichbohrungen vorher einzelne Fliesen entfernt. Nach dem Fugenentfernen werden Systemkammern auf die Fliesen gelegt, die Fliesen erwärmt und nach Aufweichen des Fliesenklebers schadensfrei abgehoben. Sie können nach der Trocknungsmaßnahme wieder einfach verlegt werden.
Anspruchsvoller wird eine Dämmschichttrocknung, wenn die Dämmschicht verschimmelt ist. Bei einer Schimmelpilzsanierung sollte möglichst die gesamte Schimmelpilz-Biomasse (das Wortteil „masse“ sagt dabei noch nichts über die tatsächlich vorhandene Pilzmenge aus!) entfernt werden. Dies bedeutet bei einem Befall unter dem Estrich - also Feuchtigkeit und Schimmelpilze in der Dämmebene - dass der komplette Fußboden inkl. Estrich und Dämmung eigentlich ausgebaut werden müsste (Komplettsanierung). Dies würde meist enorme Sanierungskosten und vorübergehende Nutzungsausfälle der Räumlichkeiten nachsichziehen.
Hier müssen praktische und wirtschaftliche Überlegungen gegenübergestellt werden.
Bei näherer Betrachtung der vorgenannten Trocknungsmaßnahmen wurde immer wieder festgestellt, dass Restfeuchte unter dem Estrich verblieben ist. Denn die zum Entfeuchten eingesetzten Luftströmungen suchten sich den Weg des geringsten Widerstandes. Oftmals sind ganze Unterbodenbereiche nach angeblich abgeschlossener Trocknung noch feucht, obwohl die aus dem Unterboden ausströmende Luft als trocken bewertet wurde. Bei konventioneller Trocknung verbleibt meist unter dem Estrich Feuchtigkeit, was zwangsläufig zu einer Schimmelpilzbelastung führen muss. Trotzdem ist Trocknen sinnvoll, um möglichst viel Feuchtigkeit aus dem Unterboden zu entfernen und damit die sich bildende Schimmelpilz-Biomasse möglichst gering zu halten.

3. Wie läßt sich die Feuchte im Estrich messen?
Zur Estrichfeuchtebestimmung eignen sich verschiedene Messverfahren, bei denen die Feuchte entweder direkt oder indirekt gemessen wird. Die direkten Methoden (CM-Methode, Darr-Messung) bestimmen konkret die Menge an Wasser im Bauteil.
Die älteste und bewährteste Methode für die Bestimmung der Restfeuchte ist nach wie vor die CM-Messung. Das Calciumcarbid-Verfahren bzw. Calciumcarbid-Methode (CM-Messung) ist eine schnelle und für viele Fälle ausreichend genaue Feldmethode zur Feuchtemessung.
Bei diesem Verfahren wird die vermeintlich feuchte Probe gewogen und danach in einen Druckbehälter eingeführt, in dem sich Stahlkugeln sowie eine Glasampulle mit Calciumcarbid befinden. Alles wird im verschlossenen Behälter zerkleinert und vermischt. Das enthaltene Wasser bildet mit Calciumcarbid nach folgender Gleichung Acetylen:
estrich1
Die Menge des Acetylens wird durch Messung des Druckanstieges über ein Manometer bestimmt und ist das Maß für die Menge an zuvor vorhandenem Wasser. Die Bestimmung des Wassergehalts erfolgt mit Bezug auf die Probenmasse. Es ist mit Messabweichungen von ± 1-3 % der in der Probe vorhandenen Feuchte zu rechnen. Fehlermöglichkeiten entstehen durch Wägefehler einer zu kleinen Probe sowie bei unvollkommener Reaktion der Materialfeuchte mit dem Calciumcarbid. Beim vorherigen Zerkleinern kann außerdem Feuchte aus dem Material verdunsten. Die Menge des Probenmaterials ist abhängig von der Korngröße (2-5 mm). Beispielsweise sind für Zementestrich 20 g und bei Anhydritestrich 50 g Probenmaterial notwendig.
Die Entnahme der Proben soll über die Höhe der Tragschicht erfolgen. Beim Messvorgang muss aufgrund starker Temperaturabhängigkeit des Behälterdrucks auf Temperaturkonstanz geachtet werden. Die Messzeiten sind relativ lang und können bis zu 20 Minuten betragen. Das Messverfahren ist einfach handhabbar, erfordert jedoch einen relativ hohen Aufwand zur Probenvorbereitung und Messung.

estrich44. Kann man den Schimmelpilzbefall unter dem Estrich erkennen?
Materialproben aus der Dämmschicht, Raumluftmessungen mit einem Luftkeimsammler (Impaktor) oder auch gezielte Luftproben aus dem Estrich-Randstreifen lassen auf Schimmelpilzbefall in der Dämmschicht schließen. Schimmelpilze bestehen nicht nur aus kultivierbaren oder abgestorbenen Sporen oder Sporenpaketen, sondern aus weiteren partikelartigen Bestandteilen, wie Sporenträger (Konidiophoren), Hyphen und Myzelbruchstücken. Von Schimmelpilzen werden auch gasförmige chemische Stoffwechsel-Verbindungen ausgeschieden, die unter dem Begriff MVOC (Microbial Volatile Organic Compounds) zusammengefasst werden. Hierzu gehören oftmals geruchsaktive Einzelverbindungen aus vielfältigen chemischen Verbindungsklassen, wie Aldehyde, Alkohole, Furane, Ether, Ester, Ketone,Terpene etc. Diese MVOCs lassen sich ebenfalls aufspüren und ihre Konzentrationen messen. Weiterhin ist das Freisetzen verschiedenartigster Zellinhaltsstoffe incl. von Schimmelpilzgiften (Mycotoxine) zu erwarten. Vor allem dann wenn die Schimmelpilze abgestorben sind.

5. Welche alternativen Sanierungsmethoden gibt es?


  • Randfugen-Adsorption: Der Unterboden wird von der Raumluft abgetrennt. Es wird die Randfuge am Übergang vom Fußboden zur Wand überarbeitet (gereinigt und oder ausgeräumt). Nun wird ein auf die Filterfunktion und die Fugengeometrie optimiertes Adsorptionsmittel in Granulatform eingebracht. Dieses bindet Stoffwechselprodukte und weitere gasförmige Verbindungen sowie geruchsaktive Stoffe. Überdeckt wird die Fuge mit einem Filtergewebe, das Sporen, Zellwandbruchstücke und andere partikelfähige Bestandteile von Schimmelpilzen zurückhält. Beide Filtermedien erlauben eine Wasserdampfdiffusion. Den Abschluss bildet dann eine angeschraubte Fußbodenleiste, die Öffnungen und rückseitige Rillen zum besseren Abtransport von Wasserdampf haben sollte. Die Bestandteile und Emissionen von Schimmelpilzen, die in der Dämmebene des Fußbodens bei vorliegender Feuchtigkeit gebildet werden und über die Randfuge in die Raumluft freigesetzt würden, werden nunmehr vor dem Austritt in die Raumluft abgefangen. Mit diesem diffusionsoffenen Estrichfugensystem wurde eine einfache, sichere und kostengünstige Sanierungsmöglichkeit für mit Schimmelpilzen belastete Fußböden entwickelt. Dieses diffusionsoffene Estrichfugensystem weist gegenüber den bislang eingesetzten Materialien oder Methoden verschiedene Vorteile auf: Keine Nutzungsaussetzung der Räumlichkeiten, einfacher Einbau, diffusionsoffen ohne Feuchtigkeitsstau, keine Wartungsfuge, gutes Kosten- Nutzenverhältnis und preisgünstig im Vergleich zum Komplettausbau des Fußbodens incl. Estrich und Dämmung.
  • Desinfektionsschaum gegen Schimmelpilze in Hohlräumen: Der Desinfektionsschaum wurde speziell für kontaminierte Hohlräume und Dämmschichten entwickelt. Überall dort, wo andere Sanierungsmaßnahmen nicht möglich oder zu kostenaufwändig sind, bietet der Desinfektionsschaum alternative und relativ einfache Sanierungsmöglichkeiten. Mit Schimmelpilzen und Bakterien belastete Randfugen, Dämmschichten von Geschossdecken nach Wassereinbrüchen oder Fäkalienschäden oder auch begrenzte Wasserschäden bei Bodenplatten und Geschossdecken bergen Probleme, diese Schimmelpilze und Bakterien sicher abzutöten. Kostenaufwändiger oder unnötiger Rückbau kann in einigen Fällen vermieden werden: Desinfektionsschaum wird mit Hilfe eines speziellen Schaumgerätes in die Hohlräume der Dämmschicht eingepresst. Der Einsatz von Desinfektionsschaum ergibt völlig neue Desinfektionsmöglichkeiten im Bereich von Dämmungen, Hohlräumen oder Randfugen. Auch in Dämmungen von Geschossdecken ist der Einsatz dieses Produktes kostengünstig möglich. Der Desinfektionsschaum hat eine breite Wirkung gegen alle Arten von Schimmelpilzen, Sporen, Bakterien bis hin zu coliformen Keimen. Auch Gerüche werden deutlich reduziert. Problematisch ist allerdings, dass der Desinfektionsschaum manchmal nicht alle Dämmschichtbereiche erreicht, da auch Flüssigkeiten oder Schäume den Weg des geringsten Weges gehen.